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Pittura tedesca
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Über ein berühmtes Gemälde von Johann Friedrich Overbeck (1828).
![]() Friedrich Overbeck: "Italia und Germania" (1828) "Jedes echte Kunstwerk wird in geweihter Stunde empfangen, oft dem Künstler unbewusst aus innerem Drange des Herzens."
Diese Worte von
Caspar David Friedrich (1774-1840) können sehr gut als Leitlinie zum Verständnis dieses Bildes seines Zeitgenossen
Johann Friedrich Overbeck (1789-1869) dienen. Es wurde sicherlich "aus innerem Drange" geschaffen, und vieles von dem, was es uns sagt, ist wohl unbewusst in das Bild eingeflossen.
Was wollte Overbeck in Italien?
Friedrich
Overbeck gehörte Anfang des 19. Jahrunderts zu der sogenannten "deutschen Künstlerkolonie" in Rom, in der er, zusammen mit einigen Gleichgesinnten, die Gruppe der "Nazarener" bildete, die in gewisser Weise den radikalen Flügel der Künstlerkolonie darstellte.
Der Stil der Nazarener hat die Malerei der deutschen Romantik stark beeinflusst, aber der in Deutschland aufkommende Realismus ließ Overbeck, der zwanzig Jahre lang einer der bekanntesten deutschen Künstler war, nach und nach in Vergessenheit geraten. Was wollte der Künstler in diesem Bild ausdrücken?
Was an dem Bild sofort auffällt, ist die harmonische Komposition, die Symmetrie:
auf der linken Seite die dunkelhaarige Italia, hinter ihr eine typisch
italienische Landschaft mit einer Kirche im romanischen Stil; rechts die
blonde Germania, mit einer typisch deutschen Stadtlandschft, in der eine
gotische Kirche dominiert. Der goldgelbe Saum des Kleides der Italia
erinnert an die Sonne des Südens, der pelzbesetzte Saum am Kleid der
Germania an die kalten Winter des Nordens. Der Malstil erinnert an
Raffaello, Leonardo da Vinci und andere italienische Maler der Rennaissance. Das liebevolle Verhältnis der beiden Frauen strahlt Ruhe und Wärme aus.
Es stellt ein Symbol für die ersehnte Synthese von Nord und Süd dar, von mittelalterlich-deutscher Kunst und italienischer Frührennaissance, von Dürer und
Raffaello, ein Symbol für die angestrebte, religiös getränkte Harmonie.
Zu beachten sind auch die Farben des Kleides der Italia (rot-weiß-blau), die die typischen Farben der mittelalterlichen Madonna-Darstellungen sind, und ihre Kopfhaltung, die genau so vielen anderen Madonna-Bildern zu beobachten ist, sowohl in der italienischen Rennaissance, wie auch bei den deutschen Nazarenern:
Es ist ein zutiefst romantisches Bild, das auch heute noch eine gewisse Faszination ausübt. Die erste Reaktion vieler Betrachter ist
noch heute ein bewunderndes: "Wie schön..."
(in Italien: "Che bello..."). Und dies, auch wenn die Grenze zum Kitsch - jedenfalls für uns heute - bedenklich nahe erscheint.
Aber das Bild von Overbeck sagt noch sehr viel mehr...
...und das vielleicht nicht unbedingt in beabsichtigter Weise. Es gibt
sicher einiges, was der Künstler "unbewusst, aus innerem Drange des Herzens"
aufs Bild bringt. So ausgewogen und gleichgewichtig, wie es auf den ersten Blick
scheint, ist das Bild nämlich nicht. Die deutsch-gotische Kirche rechts ist heller und ragt höher in den
Himmel als die italienisch-romanische Kirche, die sich demgegenüber fast am
Boden duckt. Hinter der Germania sieht man die Mauer eines Hauses, die das
Bild nach rechts abschließt. Dies ist zweifellos ein oft benutzter
malerischer Kunstgriff, aber warum hinter der Germania und nicht hinter der
Italia? Diese Mauer und die höhergelegene und höheraufragende gotische
Kirche, die zudem noch in etwas hellerem Licht erscheint, geben dem
Bildhintergrund eine leichte Bewegung von rechts oben nach
links unten, die der Figur der Germania eine stärkere Betonung verleiht.
Auch die beiden Figuren selbst sind, wenn man sie genauer anschaut, nicht gerade gleichgewichtig-ausgewogen dargestellt. Üblicherweise wird den Südländern ein offenes, lebhaftes Temperament zugesprochen, den Nordländern eher ein verschlossenes und reserviertes. Hier scheint es genau umgekehrt: Germania ist eindeutig die aktivere, sie hat die Hand von Italia ergriffen, sie beugt sich zu ihr, scheint ihr auch etwas zu sagen. Italia ist zwar etwas etwas größer als Germania (aber nur, weil diese sich etwas bückt), ist aber deutlich passiv. Fast schüchtern zieht sie die linke Hand zurück, als wolle sie nicht auch die zweite Hand der Germania überlassen. Ihr Blick ist scheu nach unten gerichtet, während Germanias Blick ins Weite schweift, sie sieht aus dem Bild heraus, sie sieht in die Welt. Italia wirkt dagegen in sich gekehrt und merkwürdig hilflos. Es scheint fast, als müsse Germania Italia trösten. "Am italienischen Wesen soll die Welt genesen"
Italien war das Objekt der Overbeckschen Träume, und als ein solches völlig
vergeistigtes Objekt erscheint sie auf dem Gemälde. Italien ist Geist und
Ideal (=Madonna), Germania ist real und wirklich (grün und braun, die Farben
ihrer Kleider, sind die Farben der Natur). Die Kommunikation scheint
ziemlich einseitig zu sein, fast hat man das Gefühl, dass sich Germania der
Italia ein wenig aufdrängt. Trotz der idealisierenden Überhöhung Italiens
scheint Deutschland dominanter zu sein. Overbecks Leitmotiv war, etwas
vereinfacht gesagt: "Am italienischen Wesen soll die Welt genesen". Dennoch
kommt in seinem Bild ebenso deutlich die tiefverwurzelte Vorstellung von der weltbeglückenden Mission
Germanias - in der Form des mittelalterlichen Kaisertums - zum Ausdruck.
Die Idealisierung Italiens verträgt sich also scheinbar recht gut mit dem Bewusstsein der Sendung von Germania. Die Kunst, die Schönheit und die Lebensart (für Overbeck die Religiösität) sind der Inbegriff Italiens, Germania dagegen repräsentiert die Stärke, den politischen Weitblick, die Macht. Genau wie Caspar David Friedrich bemerkte: Es ist ein Bild, das "aus innerem Drange" geschaffen wurde, und vieles von dem, was es uns sagt, ist wohl mehr oder weniger unbewusst ins Bild eingeflossen. Vedi anche: Tutte
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