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Die deutschen Maler der Romantik und Italien -
"Italia und Germania" von Friedrich Overbeck

Das Gemälde "Germania und Italia" von Johann Friedrich Overbeck ist fast schon zu einer Art Ikone für die deutsch-italieischen Beziehungen geworden. Hier eine Analyse des Bildes.
Friedrich Overbeck: Germania und Italia
"Germania und Italia" von Friedrich Overbeck
Quelle: Wikimedia Commons

"Jedes echte Kunstwerk wird in geweihter Stunde empfangen,
oft dem Künstler unbewusst aus innerem Drange des Herzens."

Diese Worte von Caspar David Friedrich können sehr gut als Leitlinie zum Verständnis des Bildes seines Zeitgenossen Johann Friedrich Overbeck dienen. Es wurde sicherlich "aus innerem Drange" geschaffen, und vieles von dem, was es uns sagen kann, ist wohl unbewusst in das Bild eingeflossen.

Was Overbeck in Italien wollte

Overbeck gehörte Anfang des letzten Jahrhunderts zu der so genannten "deutschen Künstlerkolonie" in Rom, in der er, zusammen mit einigen Gleichgesinnten, die Gruppe der "Nazarener" bildete, die in gewisser Weise den radikalen Flügel der Künstlerkolonie darstellte. Diese Künstler suchten in Italien Inspiration: die Landschaften, die Nähe zur Kunst der Antike und der Renaissance und eine romantische Sehnsucht nach dem Unbekannten waren die Gründe, die sie nach Italien zogen. Overbeck war aber nicht nur deshalb nach Italien gekommen, er suchte in Italien auch ein tieferes mystisch-religiöses Erlebnis. Seine Reise nach Italien, wo er für den Rest seines Lebens blieb, war auch eine Art Flucht in die Vergangenheit, in die Zeit des mittelalterlichen Kaisertums, in der es noch einen Glauben und eine Kirche gab, in eine heile Welt und ein Ideal, das er in der deutschen Wirklichkeit, die von der beginnenden industriellen Revolution gekennzeichnet war, nicht mehr wiederfand. Die Religiosität, die er in Italien suchte und fand (was nicht bedeutet, dass sie auch wirklich so existierte), begeisterte ihn. Er, der früher Protestant war, wurde ein fanatischer Katholik, der allen Ernstes die Wiedereinführung der Inquisition und die öffentliche Ausprügelung heidnischer Abtrünniger am Pranger forderte. Der aufkommende Realismus ließ den für zwanzig Jahre bekanntesten deutschen Künstler jedoch nach und nach in Vergessenheit geraten.

Was der Künstler mit seinem Bild ausdrücken wollte:

Was an dem Bild auffällt, ist die harmonische Komposition, die Symmetrie: auf der linken Seite die dunkelhaarige Italia, hinter ihr eine typisch italienische Landschaft mit einer Kirche im romanischen Stil; rechts die blonde Germania, mit einer typisch deutschen Stadtlandschft, in der eine gotische Kirche dominiert. Der goldgelbe Saum des Kleides der Italia erinnert an die Sonne des Südens, der pelzbesetzte Saum am Kleid der Germania an die kalten Winter des Nordens. Der Malstil ist sanft und weich, an Leonardo da Vinci und andere italienische Maler jener Zeit erinnernd.
Schadow
Links: der Kopf der Madonna auf einem Gemälde von Schadow (1818),
rechts: ein Gemälde von Raffaello, (1506)
Das liebevolle Verhältnis der beiden Frauen strahlt Ruhe und Wärme aus, ein Symbol für die ersehnte Synthese von Nord und Süd, von mittelalterlich-deutscher Kunst und dem Stil der italienischen Frührenaissance, von Dürer und Botticelli, ein Symbol für die angestrebte, religiös getränkte Harmonie. Zu beachten sind die Farben des Kleides der Italia (rot-weiß-blau), die die typischen Farben der mittelalterlichen Madonna-Darstellungen sind, und ihre Kopfhaltung, die als Motiv genau so in Dutzenden anderer Madonna-Bildern zu beobachten ist. Es ist ein zutiefst romantisches Bild, das auch heute noch eine gewisse Faszination ausübt. Die erste Reaktion vieler Betrachter war, und ist auch heute noch, ein bewunderndes: "Wie schön...". Und dies, auch wenn die Grenze zum Kitsch - jedenfalls für uns heute - gefährlich nahe erscheint.

Aber das Bild sagt noch sehr viel mehr

Und das vielleicht nicht unbedingt in beabsichtigter Weise. Es gibt einiges, was der Künstler "unbewusst, aus innerem Drange des Herzens" aufs Bild bringt. So harmonisch-gleichgewichtig, wie es auf den ersten Blick scheint, ist das Bild nämlich nicht. Die deutsch-gotische Kirche (die ja für Overbeck nicht ganz unwichtig war) rechts ist viel heller und ragt viel höher in den Himmel als die italienisch-romanische Kirche, die sich demgegenüber fast am Boden duckt. Hinter der Germania sieht man die Mauer eines Hauses, die das Bild nach rechts abschließt. Dies ist zweifellos ein oft benutzter malerischer Kunstgriff, aber warum hinter der Germania und nicht hinter der Italia? Diese Mauer und die höher gelegene und höher aufragende gotische Kirche, die zudem noch im hellen Licht erscheint, geben dem Bildhintergrund eine leichte Schrägachse, eine Bewegung von rechts oben nach links unten, die der Figur der Germania eine stärkere Betonung verleiht. Auch die beiden Figuren selbst sind, wenn man sie genauer anschaut, nicht gerade gleichgewichtig-ausgewogen dargestellt. Üblicherweise wird den Südländern ein offenes, lebhaftes Temperament zugesprochen, den Nordländern eher ein verschlossenes und reserviertes. Hier scheint es genau umgekehrt: Germania ist eindeutig die aktivere, sie hat die Hand von Italia ergriffen, sie beugt sich zu ihr, scheint ihr auch etwas zu sagen. Italia ist zwar etwas etwas größer als Germania (sie muss es wohl sein, denn schließlich ist sie auch die Verkörperung der Madonna), ist aber deutlich passiv. Fast schüchtern zieht sie die linke Hand zurück, als wolle sie nicht auch die zweite Hand der Germania überlassen. Ihr Blick ist scheu nach unten gerichtet, während Germanias Blick ins Weite schweift, sie sieht aus dem Bild heraus, sie sieht in die Welt. Italia wirkt dagegen in sich gekehrt und merkwürdig hilflos - sie hat auch keine Mauer, keinen Halt hinter sich. Es scheint, als müsse Germania Italia trösten....

Overbeck hat Italien gesucht, aber...

Italien war das Objekt der Overbeckschen Träume, und als ein solches völlig vergeistigtes Objekt erscheint sie auf dem Gemälde. Italien ist Geist, Ideal (=Madonna), Germania ist real und wirklich (grün und braun, die Farben ihrer Kleider, sind die Farben der Natur). Die Kommunikation scheint ziemlich einseitig zu sein, fast hat man das Gefühl, dass sich Germania der Italia ein wenig aufdrängt. Trotz der idealisierenden Überhöhung Italiens scheint Deutschland irgendwie dominanter zu sein. Overbecks Leitmotiv war: Am italienischen Wesen soll die Welt genesen (auch wenn er eine recht eigenwillige Idee vom "italienischen Wesen" hatte). Dennoch ist es ihm in seinem Bild nicht so recht geglückt, die tief verwurzelte Vorstellung von der weltbeglückenden Mission Deutschlands (wenn auch in der Form des mittelalterlichen Kaisertums) zu verstecken.

Zwei Aquarelle von Philipp Veith (1834)

Die Idealisierung Italiens verträgt sich scheinbar doch recht gut mit dem Bewusstsein der Sendung Deutschlands. Die Kunst, die Schönheit und die Lebensart (für Overbeck die Religiosität) sind der Inbegriff Italiens, Germania dagegen repräsentiert die Stärke, den politischen Weitblick, die Macht. Das weibliche und das männliche Prinzip. Dies kommt auch in zwei anderen Werken der gleichen Zeit zum Ausdruck:

Philip Veith: Italia  Philip Veith: Germania

Diese zwei Aquarelle von Philip Veith (1793-1877), eines anderen deutschen Malers, der der Gruppe der "Nazarener" angehörte, stellen ebenfalls "Italia" (links) und "Germania" (rechts) dar. Man beachte auch hier die reiche Symbolik: Italien mit den typischen südlichen Landschaften, den Symbolen der Religion und der antiken Kunst, und auf der anderen Seite Germania mit Schwert, Krone und den Symbolen der mittelalterlichen kaiserlichen Macht. Aber das Augenfälligste ist wohl die mächtige deutsche Eiche hinter der Germania und die zierlichen Bäumchen hinter der Italia! Was ist hier wohl unbewusst eingeflossen?

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