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Il testo in questa pagina è di Luisa Martinelli Stelzer pubblicato nel suo libro "Wege zur deutschen Literatur - neu" (vedi sotto).


Bertolt Brecht (1898- 1956)

Introduzione

Nel 1948 Brecht pubblicò la sua raccolta di brevi testi Storie del signor Keuner, con l’intenzione di stimolare il lettore o l’ascoltatore a riflettere o a discutere sui temi di volta in volta presentati. Per questo genere letterario, simile alla parabola, alla massima e all’aneddoto, possiamo usare il termine “Denkbild” (“immagine di pensiero” o “immagine per pensare”), coniato da Walter Benjamin per definire i brevi testi di prosa degli autori di sinistra alla fine degli anni 20. Nel testo introduttivo sotto riportato (“Keunergeschichten”) vengono date alcune informazioni su questa raccolta. Viene inoltre riportato un esempio di “storia” (“Der hilflose Knabe”, ossia: “Il fanciullo sprovveduto”) con esercizi per la comprensione, l’analisi e l’interpretazione. Per tutti gli esercizi è fornita la soluzione, che manca nel libro scolastico da cui sono stati tratti, ma che si trova nella guida per l’insegnante.

Die Geschichten von Herrn Keuner

In libreria:

Die Sammlung "Geschichten vom Herrn Keuner" wurde 1948 veröffentlicht. Es handelt sich um in verschiedenen Zeitschriften erschienene gesammelte Prosaskizzen, die das konventionelle Denken erschüttern wollen.

Herr Keuner, der Protagonist, ist ein scharfer Beobachter der Realität. Seine Weisheit will nicht nur etwas beibringen, sondern auch die allgemeinen Meinungen ironisieren, Anlass zum Nachdenken sein.
Die Geschichten vom Herrn Keuner lassen sich keiner der traditionellen Erzählformen problemlos zuordnen. Der Titel selbst ist doppeldeutig. „Vom Herrn Keuner“ kann man zum einen so verstehen, dass KEUNER – als Subjekt – die Geschichten schreibt, überliefert oder vorträgt, und zum anderen, dass ÜBER IHN Geschichten geschrieben werden. Mit dem neutralen Stichwort „Geschichten“ vermeidet Brecht eine eindeutige Klassifizierung, weil mit dieser Bezeichnung allein der epische Darstellungsmodus betont wird.

Am besten passt für diese Gattung vielleicht die Bezeichnung „Denkbild“, ein Begriff von Walter Benjamin, womit er kleine Prosatexte von Autoren der Linken am Ende der 20er Jahre charakterisierte. Die Geschichten vom Herrn Keuner sind den Kunstformen der Parabel, der Maxime, des Aphorismus, der Anekdote ähnlich. Das Ziel von Brecht ist es, den Leser oder Hörer direkt anzusprechen und ihn zum Nachdenken (und eventuell zum Diskutieren) anzuregen. Nicht als Individuum ist Herr Keuner wichtig, sondern seine Haltung, sein Benehmen, seine Antworten angesichts der jeweiligen Situationen und Probleme, die ihm vorgestellt werden oder in denen er sich befindet.

Brecht: Storie del signor Keuner

Storie del Sig. Keuner
(in lingua italiana)

139 pagine,
casa editrice: Einaudi
per saperne di più

Geschichten
von Herrn Keuner
(in lingua tedesca)

146 pagine,
casa editrice: Suhrkamp
per saperne di più

Bert Brecht: Der hilflose Knabe ("Geschichten vom Herrn Keuner" 1948)

Herr K. sprach über die Unart, erlittenes Unrecht stillschweigend in sich hineinzufressen, und erzählte folgende Geschichte:
Einen vor sich hin weinenden Jungen fragte ein Vorübergehender nach dem Grund seines Kummers.
„Ich hatte zwei Groschen für das Kino beisammen“, sagte der Knabe, „da kam ein Junge und riss mir einen aus der Hand,“ und er zeigte auf einen Jungen, der in einiger Entfernung zu sehen war.
„Hast du denn nicht um Hilfe geschrien?“ fragte der Mann.
„Doch“, schluchzte der Junge.
„Kannst du denn nicht lauter schreien?“ fragte der Mann.
„Nein,“ sagte der Junge und blickte ihn mit neuer Hoffnung an. Denn der Mann lächelte.
„Dann gib auch den her,“ sagte er, nahm ihm den letzten Groschen aus der Hand und ging unbekümmert weiter.

Leseverständnis

Welche von diesen Behauptungen sind richtig (R) und falsch (F)?

 RF
1. Herr K. erzählt die Geschichte, um das Benehmen von Menschen zu kritisieren.  
2. Herr K. erzählt die Geschichte, weil einige Menschen Unrecht leiden.  
3. Ein Junge hatte kein Geld für das Kino.  
4. Ein Junge wollte mit zwei Groschen das Kino bezahlen.  
5. Der Junge wurde von einem anderen Jungen um die beiden Groschen bestohlen.   
6. Dem Jungen wurde ein Groschen weggerissen.  
7. Der Junge konnte nicht um Hilfe schreien.  
8. Der Junge weinte, weil ihm ein Groschen geraubt worden war.   
9. Ein Mann fragte den Jungen nach dem Grund seiner Tränen.   
10. Der Mann schenkte dem Jungen einen Groschen.  
11. Der Mann wollte wissen, warum der Junge nicht geschrieen habe.  
12. Der Junge hatte zu schwach um Hilfe geschrieen.  
13. Der Mann nahm dem Jungen seinen letzten Groschen weg.  
14. Der Mann konnte den Jungen trösten.  

Lösungen: 1R / 2F / 3F/ 4R/ 5F/ 6R / 7F/ 8R / 9R/ 10F/ 11F/ 12R/ 13R/ 14F

Textanalyse

1. Wer ist der Erzähler?
(Herr K., d.h. Herr Keuner, der Protagonist der Sammlung „Geschichten vom Herrn Keuner“.)
2. Wer sind die Figuren seiner Geschichte?
(Ein erster Junge / ein zweiter Junge / ein Vorübergehender)
3. Wie werden die Figuren charakterisiert?
(Sie haben keinen Namen; sie werden nur durch ihr Alter (Junge) oder ihre Funktion (Vorübergehender) bezeichnet und durch ihr Benehmen und ihre Reaktionen charakterisiert.)
4. Welche von diesen Eigenschaften passen zu den Figuren? Begründe deine Wahl!
(Freie Antwort)

Eigenschaften1. Junge2. JungeVorübergehender
naiv   
betrügerisch   
mitleidlos   
hilfsbereit   
freundlich   
mitleidig   
gütig   
opportunistisch   
diebisch   
enttäuscht   
zynisch   
zärtlich   
vertrauensvoll   
unehrlich   

 5. Wie benimmt sich der Mann dem Jungen gegenüber?
(Am Anfang zeigt er sich interessiert und fragt ihn, warum er weint. Er erfährt von dem Jungen, was passiert ist. Er sagt nichts dazu, er fragt den Jungen nur, wie er reagiert hat. Zuerst zeigt er sich liebevoll und tut so, als ob er ihn trösten wollte; dann nimmt er ihm plötzlich das Geld weg und geht weiter, ohne sich weiter um ihn zu kümmern.)
6. Finden wir in dieser Geschichte mehr Erzählung oder mehr Dialoge?
(Wir finden mehr die direkte Rede der Personen. Auch das Ereignis, das der Junge erlebt hat, wird von ihm selbst erzählt.)

Textinterpretation

1. Warum erzählt Herr K. diese Geschichte? Worüber will er sprechen?
(Er will indirekt ein Urteil über ein menschliches Benehmen abgeben, d.h. über die schlechte Angewohnheit, erlittenes Unrecht still zu dulden.)
2. Welche Aussage ist deiner Meinung nach versteckt in den Worten: „die Unart, erlittenes Unrecht stillschweigend in sich hineinzufressen“?
a. Man soll die Ungerechtigkeit bekämpfen.
b. Gegen eine böse Tat sollte man sich wehren.
c. Wenn man Gewalt erleidet, soll man laut um Hilfe schreien.
d. Gegen die Gewalt soll man sich organisieren und nach Schutz suchen.
e. Es lohnt sich nicht, gegen die Ungerechtigkeit zu protestieren.
f. Man soll sich auf niemanden verlassen, weil alle Menschen böse und betrügerisch sind.
g. Der Schwache verliert immer.
h. Naive Menschen werden oft betrogen.
i. Der Schwache soll so laut wie möglich um Hilfe schreien.
j. Wer Unrecht erleidet, kann sich mit der Hilfe anderer Menschen verteidigen, nach dem Motto: „Einigkeit macht stark“.
k. Schwache Leute sind der Arroganz der Stärkeren ausgeliefert.

(Mögliche Lösung: a. – b. – d. – h. – k. Altre soluzioni sono possibili, l’importante è che gli studenti cerchino di motivare le loro risposte!)

Il testo in questa pagina è preso da:

Wege zur deutschen Literatur - neu , 2 volumi,
di Luisa Martinelli Stelzer
Firenze, Bulgarini-Innocenti, 2001
Copyright by Editrice Innocenti - Trento

Una presentazione e una recensione critica del libro trovi qui:
Wege zur deutschen Literatur

Il sito internet di Luisa Martinelli Stelzer è:
http://luimartin.altervista.org

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